Weshalb ist dies erst eine Vision?
Es herrschen noch
immer viele Vorurteile über Hochbegabung, aber auch allgemein über Lernen und
Lehren, Kreativität und Leistungsvermögen.
Das Wort ‚Hochbegabung’
allein wird oft schon als Provokation empfunden. ‚Die wollen nur etwas
Besseres sein’ oder ‚Wollt Ihr etwa eine Elite heranzüchten?’, ist oft zu
hören.
Es ist zu wenig
bekannt, dass hochbegabte Kinder und Jugendliche es in unseren öffentlichen Schulen häufig schwer haben: zusätzlich zu der
Langeweile und dem Warten kommt, dass die Mitschülerinnen und Mitschüler
sie oft als Streber betrachten (auch wenn sie zuhause meist nur wenig für
die Schule arbeiten). Wegen ihres meist hohen Gerechtigkeitssinnes haben sie
Intrigenspielchen und Kämpfe
nicht gern. Auch unterscheiden sich ihre Interessen teilweise erheblich von
denen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler und so stehen sie oft abseits.
Das Lehrpersonal kann die
hohe Begabung eher selten erkennen,
da sie häufig mit Minderleistung verbunden ist und die Schülerinnen und Schüler
somit nicht unbedingt besonders
hohe Schulleistungen erbringen.
Viele dieser Kinder und
Jugendlichen ziehen sich innerlich zurück, machen nicht mit, weil ihnen alles
zu langsam geht. Sie lesen unter dem Pult oder träumen vor sich hin.
Hochbegabte Jungen stören oft den Unterricht und werden deshalb etwa dreimal so
oft zu Abklärungsstellen geschickt wie Mädchen.
Unterforderung ist Stress.
Ausgeschlossenwerden, nicht
verstanden werden ist Stress.
Und über Monate und Jahre
andauernder Stress kann psychosomatische Erkrankungen, Depressionen und ein
geschwächtes Immunsystem bewirken. Hochbegabte Kinder und
Jugendliche leiden deutlich öfter unter diesen Störungen als andere Kinder und
Jugendliche, und auch die Suizidrate ist bei ihnen erhöht.
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